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Struktur – Konjunktur – Wachstum

Die anziehende Binnennachfrage und das weiterhin starke Exportwachstum stützten im zurückliegenden Jahr die Mitte 2004 einsetzende konjunkturelle Erholung, welche im Verlauf des Jahres 2005 in einem deutlich sichtbaren Aufschwung überging. Positive Signale, welche die Ertragslage verbessern und steigende Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung hervorrufen sollten. Aber eben nur sollten. Denn steigende Rohstoffkosten in den rohölnahen Sparten und die im europäischen Vergleich hohen Energiepreise belasten die Chemieunternehmen zusehend, zumal diese zusätzlichen Kosten nicht vollumfänglich an die Kunden weitergegeben werden können.

 

Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes nimmt die chemische Industrie in doppelter Hinsicht eine spezielle und wichtige Stellung ein; zum einen sind knapp 70% der Produktion Vorprodukte für die industrielle Weiterverarbeitung; zum Beispiel für die Branchen des Baugewerbes, der Automobilindustrie, des Ernährungsgewerbes und der Gesundheit. Zum anderen kommt der Chemie punkto Innovationskraft eine führende Rolle zuteil. Dies zeigt sich im überdurchschnittlich hohen Aufwand für Forschung und Entwicklung, wo die chemische Industrie mit einem Anteil von knapp 17% aller in Deutschland getätigten Forschungs- und Entwicklungsausgaben an der Spitze steht.

Ein breiter und starker Mittelstand – rund 90% aller Chemieunternehmen sind KMU – ist im Gegensatz zu anderen Branchen Kunde und nicht Zulieferer der Großunternehmen und bietet für überdurchschnittlich qualifizierte Arbeitnehmer überdurchschnittlich gut entlohnte Arbeitsplätze. Arbeitsplätze, die sich nicht vornehmlich an den Standortbedingten Kosten orientieren, sondern auf leistungsfähige Infrastrukturen setzen und in Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen die Wissensbasis als strategischen Vorteil im globalen Wettbewerb nutzen. Die hohe Investitionsrate in Sachanlagen, welche im Vergleich mit anderen Branchen des verarbeitenden Gewerbes auch im konjunkturellen Abschwung 2001 bis 2003 nur leicht zurückging und nicht einbrach, lässt der chemischen Industrie eine Sonderstellung innerhalb der deutschen Wirtschaft zukommen.

Die Chemieindustrie hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt und die Jahre des konjunkturellen Abschwungs zur Restrukturierung der Geschäftsfelder und zur Konsolidierung genutzt. Der gestiegene Wettbewerbsdruck, den die Globalisierung beschleunigte und der durch die rückläufige Binnennachfrage verschärft wurde, zwang die Unternehmen der Branche ihre Kapazitäten abzubauen, Kosten zu senken und gleichzeitig neue Märkte zu erschließen. Eine verbesserte Kapitalstruktur und mehr Eigenkapital auf der einen Seite sowie internationale Spitzenpositionen in den wichtigsten Sparten wie der Petrochemie und der Pharmazie auf der anderen Seite bildeten die Grundlage für das überdurchschnittliche Wachstum und weiterhin hohe beziehungsweise stabile Erträge trotz sinkender Margen. Internationale Produktionsnetzwerke mit Schwergewicht in den EU-Mitgliedsstaaten sind ein wichtiger Pfeiler im Erhalt und Fortbestand der Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Betriebsstätten. Die daraus folgernde Arbeitsteilung soll mittel- und langfristig den Standort Deutschland sicherstellen und in Verbindung mit Auslandsinvestitionen zur Erschließung von Wachstumsmärkten wie beispielsweise China die Konkurrenz-fähigkeit deutscher Betriebe gewährleisten.

D&B und DLM erwarten in Anbetracht der weiterhin mit hoher Dynamik wachsenden Weltwirtschaft insbesondere im Export eine stabil bleibende Nachfrage. Die neuen Märkte („emerging markets“) wie beispielsweise China und andere südostasiatische Schwellenländer sind als „margenstarke“ Märkte wichtige Stützen, da gerade in den Märkten der Industrieländer der zunehmende Kostendruck Spuren hinterlassen hat und zu sinkenden Margen führte. Die ansteigende Umsatzerwartung gründet aber auch auf der anspringenden Binnenkonjunktur und dem wieder stärkerem Wachstum in der Eurozone. 2006 dürften die positiven Konjunkturaussichten im Euroraum (BIP: +2,0%) und bei den neuen EU Mitgliedsländern (BIP: +4,4%) den Exportanteil weiter steigen lassen. An den Rohstoffmärkten erwarten die Experten eine zwischenzeitliche Beruhigung, aber weiterhin eine angespannte Lage. Als zusätzliches Risiko ist die Entwicklung des US-Dollars anzuführen, wo eine fundamental nachvollziehbare Abwertung den Import beflügeln, jedoch den Export belasten würde.

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