Rosemarie Ackerman: Die erste Frau, die zwei Meter hoch sprang Geschrieben am Montag, 06. Februar 2006 von Administrator Leseprobe aus dem Taschenbuch "Superfrauen 12 - Sport" von Ernst Probst:



Die erste Frau, die zwei Meter hoch sprang, war die deutsche Sportlerin Rosemarie Ackermann, geborene Witschas. Diese Höchstleistung gelang der damals 25-jährigen Leichtathletin der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 26. August 1977 bei einem internationalen Sportfest in Westberlin – 65 Jahre nachdem dies erstmals einem Mann geglückt ist. Mit ihrem Rekordsprung übertraf sie ihre Körpergröße von 1,75 Meter um 25 Zentimeter.



Rosemarie Witschas erblickte am 4. April 1952 als Tochter von Kurt und Gertrud Witschas in Lohsa in der Lausitz (Sachsen) das Licht der Welt. Sie besuchte in ihrem Heimatort die Schule, wurde von ihrer Mutter zum Ballettunterricht geschickt, träumte davon, Tänzerin zu werden, war jedoch bald hierfür zu groß. Nach dem Schulabschluss zog sie nach Cottbus (Brandenburg), wo sie zunächst als Textilverkäuferin arbeitete und später Binnenhandelsökonomie studierte.

Die sportlichen Erfolge sind Rosemarie Witschas nicht in den Schoß gefallen, sondern das Ergebnis ihres Ehrgeizes und Fleißes. Bei den „Olympischen Sommerspielen 1972“ in München sprang sie 1,85 Meter hoch und erreichte damit den siebten Platz. 1972 lernte sie beim Sportlerball ihren späteren Mann Manfred Ackermann kennen, den sie 1974 heiratete.

1974, 1975 und 1976 gewann Rosemarie Ackermann bei den Europameisterschaften in der Halle jeweils die Goldmedaille. 1976 wurde sie mit einem Sprung über 1,93 Meter Olympiasiegerin in Montreal (Kanada). 1977 holte sie in Düsseldorf den Weltpokal. Weltrekorde stellte sie 1974 (1,94 Meter in Berlin/Ost, 1,95 Meter in Rom), 1976 (1,96 Meter in Dresden) und 1977 (1,96 Meter in Dresden, 1,97 Meter in Helsinki, 1,97 Meter in Berlin/West, 2,00 Meter in Berlin/West) auf.

Der Weltrekordsprung über zwei Meter im Berliner Olympia-Stadion gelang Rosemarie Ackermann am 26. August 1977 um 20.14 Uhr. Es war ihr siebter Sprung an diesem Tag. Ihre Konkurrentinnen hatten bereits bei 1,93 Meter aufgegeben. Sie stand plötzlich alleine da und wagte einen Weltrekordversuch.

Nach ihrem sensationellen Sprung mit dem Kopf voraus über die in zwei Meter Höhe angebrachte Latte schlug Rosemarie Ackermann ihre Hände vor das Gesicht, rannte weinend über den Rasen, machte ständig die Augen auf und zu, und konnte ihren Weltrekord kaum fassen. 30000 Zuschauer spendeten ihr frenetischen Beifall. Rosemarie wurde von Journalisten belagert und gab dem Sportreporter Hans Rosenthal (1925–1987) ein Interview im Stadion.

Noch in derselben Nacht fuhr Rosemarie Ackermann in das DDR-Trainingszentrum Kienbaum zurück, wo sich die Leichtathletik-Auswahl auf den Weltcup in Düsseldorf vorbereitete. Die aufgewühlte Springerin traute sich nicht, einzuschlafen, weil sie befürchtete, sie wache auf und alles sei gar nicht wahr. Doch am nächsten Tag meldete die Tageszeitung „Neues Deutschland“: „Als erste Frau über zwei Meter“.

Den Berliner Weltrekordsprung hatte Rosemarie Ackermann mit einem alten Sprungstil, dem „Straddle“, geschafft. Seit der Amerikaner Richard „Dick“ Douglas Fosbury bei dem „Olympischen Spielen 1968“ mit seinem „Fosbury-Flop“ 2,24 Meter hoch sprang und damit eine Goldmedaille holte, glaubte man, auch Frauen würden nur noch im Rückwärtsgang merklich größere Höhen erreichen können. Doch Rosemarie belehrte sie eines Besseren.

Beim „Fosbury-Flop“ beginnt der Anlauf von links mit acht Schritten, fast im Sprinttempo. Anschließend wird nicht wie beim „Straddle“ ein Bein hochgeschwungen, sondern schraubt sich die linke Schulter hoch. Wenn das Becken über der Lattenhöhe liegt, kippt der Oberkörper ab, und die Beine werden wie bei einem Salto rückwärts nachgezogen.

Im Gegensatz zu Rosemarie Ackermann beherrschte die Italienerin Sara Simeoni die neue Technik des „Fosbury-Flop“ bereits perfekt, weswegen man ihr den ersten Sprung über zwei Meter eher zugetraut hätte. Nach dem Triumph vom 26. August 1977 in Berlin wählten 31 Sportredaktionen Rosemarie Ackermann zur „Weltsportlerin des Jahres“.

Der Weltrekordsprung von 1977 bescherte Rosemarie Ackermann keine Reichtümer: Sie erhielt viele Blumensträuße, ein Tagegeld von zehn Westmark und einige Sportseiten aus westlichen Zeitungen, die über ihren sportlichen Triumph berichteten. Außerdem verschaffte man ihr zur Erinnerung an ihren Erfolg das Autokennzeichen „Z–RA 200“ für ihren Personenwagen der Marke Wartburg.

Nach ihrem größten sportlichen Triumph konnte Rosemarie Ackermann ihren Höhenflug nicht mehr fortsetzen. Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1978 in Prag sprang sie zwar 1,99 Meter hoch, aber die Italienerin Sara Simeoni schaffte mit 2,01 Metern einen neuen Weltrekord. Ein Jahr später wurde Rosemarie Ackermann bei der „Olympiade 1980“ in Moskau mit 1,94 Metern Vierte, während Sarah Simeoni mit 1,97 Metern erneut gewann. Nach ihrem letzten Versuch verließ sie mit einem traurigen Lächeln die Sportarena.

Von 1972 bis 1977 konzentrierte sich Rosemarie Ackermann auf ihr Wirtschaftsstudium. Seit 1991 arbeitet sie im Arbeitsamt Cottbus. Dort sitzt sie in der Abteilung für zusammengefasste Aufgaben, die unter anderem für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) verantwortlich ist. Manchmal wird sie dort von Besuchern wegen ihrer großen sportlichen Erfolge angesprochen.

Einmal im Jahr fährt Rosemarie Ackermann auf Einladung als Gast zur Ehrung der „Sportler des Jahres“ nach Baden-Baden oder Ludwigsburg. Dabei macht sie jedes Mal mit ihrem Mann Manfred Ackermann einen drauf und fährt am nächsten Tag wieder zurück nach Cottbus.

Der erste Mann, der zwei Meter hoch sprang, war der Amerikaner George L. Horine (1890–1948): Er hechtete am 18. Mai 1912 in Palo Alto (Kaliforien) in 2,01 Meter Höhe über die Messlatte. Bei den Frauen liegt der Weltrekord im Hochsprung heute bei 2,09 Meter: Die bulgarische Sportlerin Stefka Kostadinowa schaffte dies am 30. August 1987 bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Rom. Die deutsche Sportlerin Heike Henkel erreichte im August 1992 bei dem „Olympischen Sommerspielen“ in Barcelona 2,07 Meter.

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